...Besichtigung der Tempelanlage und des Nationalmuseums von Paestum...

Dr. Nunzio Daniele
Tempio di Nettuno AvatarAutorisierter Fremdenführer in Paestum:
Tempelanlage und Nationalmuseum

 

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Guida Turistica Paestum

 

Paestum, kurze Geschichte

   

 


Die sogenannte Basilika.
Der erste Tempel der um das Jahr 550 vor Chr. gebaut wurde



Der sogenannte Cerestempel der um das Jahr 500 vor Chr.
gebaut wurde



Der sogenannte Poseidontempel, das spektaculerste Beispiel der griechischen Tempelarchitektur. Er wurde um das Jahr 450 vor Chr.
gebaut. In diesem Tempel haben wir die gleiche Eleganza des Parthenons.

Jahrhunderte von Geschichte stehen und liegen vor den Augen derjenigen die die Freude haben die Überreste einer antiken Stadt wie Paestum zu besichtigen. Hier die geistige Dimension der Griechen, d.h. das tiefe religiöse Gefühl für die Götter und die soziale Dimension der Römer, d.h. die Verwirklichung der täglichen Bedürfnisse, verschmelzen sich wunderschön und bilden zusammen ein einmaliges kostbares Erbe. Die drei majestätischen Tempel, die Überreste der antiken Stadt und die im Nationalmuseum ausgestellten kostbaren Kunstschätze, vor allem das Tauchersgrab, einziges Beispiel der griechischen Wand­malerei, alles in einer herrlichen Landschaft, geben dieser Stadt eine kulturelle Dimension von hohen Prestige und machen sie den Hauptbezugspunkt der griechischen Zivilisation.

 

Der historische Ursprung von Paestum datiert um das Jahr 600 v. Chr. als der Grundkern der Stadt, d.h. die dorische Minderheit von Sibari (etwa 710 vor Chr.), am Ionischen Meer, siedelte sich zuerst an der Mündung des Seleflußes (etwa 9 km nördlich) an und baute dort einen schon damals bekannten Tempel der Göttin Hera geweiht (Heraion), Schwester und Frau von Zeus, Königin des Olymp, Mutter aller Götter und Beschützerin der Gebärenden, sowie der Neugeborenen, und der Seefahrer. Dann siedelten sie sich wenige km südlich und mit am Ort gefundenen Stein, errichten sie die drei Tempel deren Bau schließt eine Hundertjahre lange Periode. Um das Jahr 550 v. Chr. wurde der Tempel gebaut der als Basilika bekannt ist. Um das Jahr 500 v. Chr. wurde der zweite Tempel gebaut der der liebsten Tochter von Zeus, Athena, Göttin der Weisheit und der Gerechtigkeit, geweiht war. Gehört zu der schönsten Periode ihrer Geschichte (450 v. Chr.), der Bau des sogenannten Poseidontempels, ein Juwel der griechischen dorischen Baukunst in dem kann man die gleiche Harmonie des Parthenons bewundern. Nach einer langen Glanzperiode, im Jahre 410 v. Chr. fehlt die Stadt unter der Fremdenherrschaft der Lukaner die sie bis 273 v. Chr. dominiert haben, als die Römer hierher kamen und machten von ihr eine Kolonie von römischen Recht.


Nationalmuseum von Paestum


Das sogenannte Grab des Tauchers,
um das Jahr 470 von Chr datierbar
 



Nationalmuseum von Paestum

Die wirtschaftliche Krise nach der Öffnung der Via Appia, wenige Jahre nach der Geburt des Römischen Reiches (27 vor Chr. - Augustus der erste Kaiser), die Malaria, das Erdbeben von 62 n. Chr. und die graduelle Ausdehnung des Christentums, sind die Hauptgründe ihres Niederganges. Der Verfall von Rom (476 n. Chr.), lässt diese Stadt langsam untergehen bis zu ihrer totalen Dekadenz.

Die Wiederentdeckung fand im Jahre 1750 statt, als die Hauptstrasse gebaut wurde; dieselbe die die Stadt und das Amphitheater teilt. Hoch ist die Anzahl der Kulturpflanzen, hoch sind auch die Quantität und die Qualität der gastronomischen Spezialitäten deren Zutaten Frucht dieser großzügigen Erde sind. Das klimatische Gleichgewicht macht sie wie Kalifornien. Das milde Klima erzeugt auch hier einen guten Wein, besonders auf den uns umgebenden kleinen Hügeln, der beginnt immer mehr größere Markten zu beherrschen.


Terrakottastatue von Zeus, die um das Jahr 510 von Chr. datierbar ist.


 


 

Nationalmuseum von Paestum

Einzelheit des Tauchersgrabes

 


Tourismus und Landwirtschaft, hier in Paestum, verbinden sich wunderschön in einer außergewöhnlichen Art und geben eine große Freude denjenigen, die wissensdurstig, den Selefluß überschreiten um einen Sprung in die Vergangenheit zu machen. Häufig, im Wasser wie Nilpferde versteckt, kann man heute noch Büffel bewundern, was schon Goethe faszinierten. Ihre Milch ist das kostbare Element für die Herstellung der Mozzarella, dessen delikater Geschmack immer mehr von einer ansteigenden Personenanzahl geschätzt wird.

 

Und dann das Meer, welches hier nicht nur eine riesige Wasserfläche ist, sondern in diesem geographischen Zusammenhang auch eine Einladung zu Phantasie und Nachdenken, um sich viele Schiffe vorzustellen, mit Männern und Waren überfüllt, und nur zu oft gesunken. Es ist ein wunderbares Bild, wenn die Sonne wie ein Feuerball es zuerst streichelt und dann taucht sie hinein und bemalt den Horizont mit glühenden Farben zu einer magischen Erscheinung, als würden die Götter heimgeleitet werden, in dem Sonnenuntergang.

Homer und Vergil haben parallele und ergreifende Geschichten von mutigen Männern erzählt, Odysseus und Äneas, die über dieses Meer gesegelt waren um wieder nach Hause zu kommen, nach der Zerstörung von Troja, oder auch um die Grausamkeit des Siegers zu fliehen. Äußerst fruchtbar ist die Ebene die sich vom Meer bis zu den Bergen dehnt aus für eine Fläche von 112 Qkm und von 4 Flüssen durchbewässert von deren ist der Sele der größte an der dessen Mündung die Griechen sich zum ersten Mal siedelten an.

Hier wird von alles bearbeitet in dieser Erde von dynamischen Bauern: vor allem Artischocken, Tomaten, Feigen, Trauben, Spargel, Auberginen, Erdbeeren, Blumenkohle aber auch so viele Gemüse und ebenso vielen Obst zu den Markten jener geographischen Gebieten bestimmt, wo oft schaft das schlechte Wetter apokalyptischen Szenarien.

Die Griechen, ein außergewöhnliches Volk

Griechenland besteht vorwiegend aus Gebirgen, aus Hügeln sowie aus sehr zahlrei­chen Inseln. Es gibt dort sehr wenige, aber sehr fruchtbare Ebenen. Der Unterboden ist hingegen kärglich und birgt überhaupt keine Bodenschätze. Die vorwiegend felsigen Küsten sind reich an natürlichen Schluchten und kleinen Buchten, die zahlreiche kleine Häfen bilden. Dennoch ist dieses geographi­sche Gebiet unter landschaftlichen und klimatischen Gesichtspunkten betrachtet extrem begünstigt.

Es ist wie ein Pendel zwischen Ost und West, zwischen Kleinasien und Süditalien. Und dieser Landstrich hat, was die Kultur und den Geist betrifft, ein wahres Wunder erlebt. Er kann nämlich als der Mittelpunkt der Welt gelten, weil er die größte Kultur der Menschheits­geschichte hervorgebracht hat. Und was die Griechen im Bereich der Kunst, der Musik und der Philosophie geschaffen haben, leuchtet wie eine Fackel im dunklen Tunnel der Geschichte.

Die Griechen haben uns die olympischen Spiele, die Philosophie, das Theater, die Musik und vor allem den Sinn für Eleganz beschert. Sie hatten jedoch auch ihre Fehler: Sie waren eifersüchtig, neidisch, egoistisch und Verleumder; sie hatten keinen Sinn für das Kollektiv und waren jederzeit bereit, die anderen verächtlich zu machen. Indem sie ständig damit beschäftigt waren, ihrem Individua­lismus zu frönen, brachten sie es nie zur Schaffung eines einheitlichen Staates mit einer starken, hierarchisierten Zentralmacht wie die Römer.

Beherrscht von einer großen Ruhelosigkeit und einem starken Tatendrang, trugen sie ihren Durst nach der Entdeckung neuer Horizonte überallhin, gründeten allerorten neue Städte und ließen dort ihren Glauben an die Götter, ihre Sprache, ihre Kultur und ihre Traditionen wiederaufle­ben.

Das Unbekannte sowohl in geographi­scher wie auch in meta­physischer Hinsicht faszinierte sie und machte sie wagemutig, stets bereit, nach einer langen Reise erneut aufzubrechen, stets begierig, erneut unter Segel zu gehen und weit entfernte Gestade anzusteuern. Dieser Tatendrang brachte sie dazu, Bündnisse mit anderen Städten zu schließen, um sich gemeinsam mit diesen gegen äußere Gefahren zur Wehr zu setzen, und diese Bündnisse nach ein paar Jahren wieder aufzukündigen.

Sie liebten den Frieden, aber häufig führten sie Krieg, weil die Untätigkeit sie unzufrieden machte. Mag Vergil sie durch seine morali­sche Verurteilung ab uno disce omnes (kennst du einen, so kennst du sie alle), auch der öffentlichen Verachtung anheimgeben und sie als ein Volk von Verrätern betrachten, weil sie Troja durch eine List einnahmen, so haben sie doch ein großes Verdienst: in den Zeiten, die jeweils zwischen der Reue über einen Krieg und einem Friedenswunsch lagen, schufen sie eine Kultur, die noch heute ein Vorbild für die ganze Welt darstellt.

In der Tat tragen Millionen von Menschen eine große Liebe für das im Herzen, was die Griechen taten. Indem sie allein mit ihrer Vor­stellungskraft durch den Weltraum flogen, lösten sich die Griechen so weit von der Erde, daß sie die Sterne erreichten.

Waren sie sich ihrer Größe bewußt oder handelten sie spontan, ohne den Zielpunkt ihrer außergewöhnlichen Großartigkeit zu kennen? Ich glaube, daß die Griechen diese Größe hatten, ohne es zu wissen. Wer groß ist, weiß nämlich nicht, daß er es ist, und gerade weil er groß ist, glaubt er klein zu sein, genau wie derjenige, der klein ist, nicht weiß, daß er es ist, und auf seine Nichtigkeit reagiert, indem er sich ein Etikett des Großen anheftet.

Dies ist eine schmerzliche Umkehrung der Werte, die leider ein wesentlicher Bestandteil der Realität ist, in der wir leben und derentwegen sich unsere Hoffnungen und unsere Träume verzehren.

Bedeutung der Archäologie

Die Archäologie, d.h. die Wissenschaft, die die antike Welt studiert und dazu deren Monumente und Fundstücke heranzieht, ist zuerst Intuition und geistige Teilnahme am Schicksal der Bevölkerung, die sie kennenlernen möchte und erst danach materielle Erforschung des Erdbodens oder des Meeresgrundes. Bevor sie auf den Universitäts­bänken studiert wird, ist die Archäologie Sensibilität wie auch Ver­ständnis für die Dinge, die von unseren längst verstorbenen Urahnen geschaffen wurden. Wegen dieses starken Anteils an menschlicher Sensibilität kann sie nicht als eine exakte Wissenschaft betrachtet werden, wie die Fachleute behaupten. Wenn dem so wäre, wären ihre Folgerungen immer stimmig und identisch und hätten einen universellen Wert in Zeit und Raum, wie die Mathematik und die Chemie. Um sich Archäologe nennen zu können, genügt also nicht ein bestimmter Doktortitel, wie auch eine Promotion in Medizin nicht ausreicht, um sich als Arzt zu bezeichnen. Dem Studientitel muß man eine gute Dosis Sensibilität und auch ein wenig Bescheidenheit zufügen, also den Respekt für die Ideen anderer.

Arroganz und Einbildung stehen in völligem Gegensatz zur Archäologie im edlen Sinne des Wortes. In der Geschichte gibt es zahlreiche Beispiele von Personen, die einen großen Beitrag zur Archäologie geleistet haben, ohne sie jemals auf den Universitätsbänken studiert zu haben, allen voran Heinrich Schliemann (1822-1890). Dank seiner Intuition brach er mit den Vorstellungen der sogenannten offiziellen Doktrin von damals, indem er bewies, daß Troja und Mykene nicht nur in der Phantasie Homers existierten, sondern blühende Städte mit einer gut dokumentierten Geschichte gewesen sind.

Hinter jedem Monument und jedem Fundstück verbergen sich keine zu addierenden Zahlen oder zu interpretierende Formeln, sondern Menschen, also Gefühle, Illusionen, Enttäuschungen, Hoffnungen, Tränen und Schweiß. All dies ist keine Mathematik, also keine Wissenschaft im technischen Sinne des Wortes, sondern menschliche und trügerische Interpretation. Die Aufgabe des Archäologen ist es, diese menschlichen Gefühle durch den genauen Vergleich der Fundstücke zu erfassen und mit Demut und Bescheidenheit der Auf­merksamkeit der anderen zu unterbreiten, die so sich selbst und ihre Vergangenheit besser kennenlernen können. Die antike Welt studieren, bedeutet auch eine persönliche kulturelle Bereicherung und vor allem die Erkenntnis, daß es keine Zivilisation gibt ohne eine Kulturgeschichte, an der man sich orientieren und auf die man zurückgreifen kann. Ein Volk ist in dem Maße zivilisiert, in dem es Respekt vor dem Erbe seiner Vorfahren hat.